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31. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Marketing-Baseline: was vor der ersten Kampagne stehen muss

ICP, Botschaftshaus, Beweise, Kanalwahl, Messbarkeit – in dieser Reihenfolge, mit realistischem Zeitrahmen.

„Wir brauchen mehr Leads“ ist selten das eigentliche Problem. In den meisten Fällen ist es die Folge davon, dass niemand präzise sagen kann, für wen das Angebot gedacht ist und warum es besser passt als die Alternative. Kampagnen verstärken diesen Zustand nur: Sie tragen eine unklare Botschaft schneller und teurer in den Markt.

Eine Marketing-Baseline ist das Fundament, das vor der ersten Kampagne stehen sollte. Sie besteht aus fünf Bausteinen, die aufeinander aufbauen. Die Reihenfolge ist nicht beliebig – jeder Baustein braucht den vorherigen als Eingang.

1. Zielkundenprofil (ICP)

Nicht die Zielgruppe im Sinne einer Branchenliste, sondern das Profil der Kunden, bei denen Ihr Angebot nachweislich funktioniert: Größe, Reifegrad, Auslöser, typische Rollen im Buying Center. Die schnellste Quelle dafür sind die eigenen Bestandskunden. Welche fünf Kunden waren am profitabelsten und am zufriedensten – und was hatten sie gemeinsam, bevor sie Kunde wurden? Genauso wichtig ist das Gegenteil: die Merkmale, bei denen Sie bewusst nicht antreten.

2. Botschaftshaus

Eine Kernaussage, drei tragende Argumente, je Argument zwei bis drei Belege. Mehr nicht. Das Botschaftshaus ist die gemeinsame Quelle für Website, Deck, Angebot, Outbound und Stellenanzeige. Existiert es nicht, erfindet jede Abteilung ihre eigene Version – und der Markt hört fünf verschiedene Unternehmen.

  • Kernaussage: was Sie für wen erreichen, in einem Satz ohne Adjektive.
  • Argumente: warum das gelingt – Vorgehen, Erfahrung, Struktur, Technologie.
  • Belege: Zahlen, Referenzen, Beispiele, überprüfbare Details.

3. Beweise

Beweise sind der Baustein, der am häufigsten fehlt und am schnellsten zu beschaffen ist. Ein halbstündiges Gespräch mit drei Bestandskunden liefert in der Regel mehr belastbares Material als ein Quartal Content-Produktion: die Formulierungen, mit denen Kunden ihr eigenes Problem beschreiben, und die Ergebnisse, die sie tatsächlich wahrgenommen haben. Beides ist wertvoller als jede intern formulierte Nutzenliste.

4. Kanalwahl

Erst wenn ICP und Botschaft stehen, ist die Kanalfrage entscheidbar – und sie ist dann meist unspektakulär. Bei erklärungsbedürftigen B2B-Angeboten mit kleinen Zielmärkten sind es fast immer dieselben drei: gezielte Direktansprache, ein LinkedIn-Auftritt mit fachlicher Substanz und eine Website, die für die zwei bis drei relevanten Suchintentionen sauber aufgebaut ist. Breite Kampagnen lohnen sich erst, wenn diese Basis nachweislich konvertiert.

5. Messbarkeit

Definieren Sie vor dem Start, was ein Lead ist und wann er an den Vertrieb übergeht. Verbindlich, gemeinsam mit dem Vertrieb, schriftlich. Ohne diese Definition streiten Marketing und Vertrieb später über Qualität statt über Ursachen – und keine Zahl klärt den Streit, weil beide Seiten unterschiedlich zählen.

Woran man erkennt, dass die Baseline steht

Ein einfacher Test: Fragen Sie drei Personen aus Vertrieb, Marketing und Geschäftsführung getrennt voneinander, für wen das Angebot gedacht ist und warum man es der Alternative vorzieht. Wenn die Antworten sich in den Kernpunkten decken, ist die Baseline belastbar. Wenn nicht, ist die nächste Kampagne nicht das dringendste Projekt.

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